Nachhaltige Unternehmenskultur I Social Business

Was ist der „wahre Preis“ (= True Cost) einer Birne? Warum Bio und Faire Produkte oder Dienstleistungen günstiger sein müssen als konventionelle.

09.10.2021
Autorin: Brit Doleschal

Was heißt denn der „Wahre Preis“ oder in Englischen True Cost?

Betrachten wir die traditionelle Kostenkalkulation, so wird üblicherweise der bewertete Verzehr von wirtschaftlichen Gütern materieller und immaterieller Art zur Erstellung und zum Absatz von Sach- und/ oder Dienstleistungen betrachtet (wirtschaftslexikon.gabler.de). Im Falle einer Birne bedeutet das, dass unter anderem das Bäumchen, die Pacht für den Boden, Wasser, Dünger, Pflege durch die Obstbauern, Ernte, Transport und viele weiteren Faktoren in den Preis einer Birne eingerechnet werden.

Bisher konnten so die Landwirte oder Unternehmer, die effizienter wirtschaften, günstigere Preise anbieten. Aufgrund ihrer Größe, Einsatz von Maschinen und der größeren Einkaufsmenge, können diese auch günstigere Preise an den Endverbraucher weitergeben. Somit sind konventionelle Landwirtschaft, Massentierzucht oder auch große Produktionsstätten günstiger zu betreiben als z.B. ein Biohof, wo Tieren mehr Fläche eingeräumt wird oder keine Pestizide verwendet werden dürfen. Das höhere Risiko, wie ein Ernteausfall aufgrund von Schädlingsbefall oder Krankheiten, stellt auch hier ein größeres Risiko für die Unternehmen dar.

Damit soll bald Schluss sein, denn die negativen Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft, der Impact (Wirkung), soll in den Preisen berücksichtigt werden.

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Was bedeutet Impact in Bezug auf die Preise?

Dem Sachkapital, worunter man alle materiellen Produktionsmittel eines Unternehmens versteht, sollen den Preisen nun auch Naturkapital, Humankapital und Sozialkapital hinzugerechnet werden.

Naturkapital bezeichnet den Boden oder auch das Wasser, das durch die Produktion verbraucht oder verschmutzt wird. Bei unserem Birnenbeispiel wäre das z.B. die Grundwasserverschmutzung durch Pestizide. Diese verursachen Kosten bei Klärwerken und Verschmutzen das Grundwasser, wofür der Landwirt heute noch nicht bezahlt, sondern dies Zulasten der Gesellschaft erfolgt. Der CO2- Ausstoß – soweit auch bekannt, wird in Zukunft von den Unternehmen zu tragen sein, die diese auch verursachen.

Unter Humankapital fallen unter anderem die Qualifikationen, das Wissen und die Erfahrung der Mitarbeiter:innen. Mitarbeitende sollen „fair“ bezahlt werden, Lohnerhöhungen werden von Gewerkschaften gefordert und in Bezug auf die Schwellenländer gibt es viele Initiativen, die z.B. ein Auge auf den Produktionsstätten haben, wie die FairWairFoundation.

Der dritte Teil, das Sozialkapital enthält den Wert der Beziehungen der einzelnen Personen untereinander. Wenn ein Team gut funktioniert, dann ist es wesentlich effektiver und effizienter, als einzelne Personen es für sich gesehen sein können. Die Motivation ist höher, wenn wir mit netten und fähigen Kolleg:innen zusammenarbeiten können.

Diese drei Bereiche, sollen zukünftig in die Preiskalkulation mit einbezogen werden.




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Wie hoch werden die Preise und wann werden sie kommen?

Wie genau die Berechnung erfolgt, wird momentan von vielen Seiten erforscht und diskutiert.

In allen Branchen gibt es sogenannte True Costing Initiativen, Unternehmen, die sich zusammengefunden haben und unter anderem mit Forschungsinstituten versuchen, gerechte Lösungsansätze für die Berechnung der ökologischen und sozialen Auswirkungen der Produkte und Dienstleistungen zu finden. So habe ich beim Symposium der IG FÜR e.V. – ins Leben gerufen vom Kemptener Georg Sedlmaier – letzten Monat spannende Vorträge zum Thema „Wahre Preise?“ - Was Lebensmittel wirklich kosten, gesehen. Ob die Mehrwertsteuer für öko-soziale Ansätze gesenkt oder CO2 direkt ermittelt und in die Kostenkalkulation aufgenommen werden, was noch alles miteingerechnet werden muss und wie genau, das ist noch alles offen.

Eins ist jedoch klar, der Bio-Birnen-Bauer, der mit viel Hingabe und ohne Schadstoffe seine Birnen pflegt, muss in Zukunft der Gewinner sein! Seine Birnen müssen günstiger werden, als die des Großbauern, der ohne Rücksicht auf Umwelt und Menschheit über die Masse sein Einkommen generiert.

In diesem Sinne … die Welt braucht gerechtere Preise … lasst uns gemeinsam Bio-Birnen essen!

Brit Doleschal – utoplan – bd@utoplan.de



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